Ich möchte in diesem Tutorial eine Möglichkeit zeigen, wie man aus blassen Fotos, wie sie an trüben Tagen oft entstehen noch erstaunlich viel Farbe rausholen kann. Oben sieht man den Vorher-Nachher-Vergleich.
Die Fotos sind auf einer großen Wiese entstanden und die Wolken waren sehr aktiv. Ein ständiger Wechsel zwischen harter Sonne und trübem Licht, wenn die Wolken sich als Diffusor vor die Lichtquelle geschoben haben. Einen Lichtassistenten hätte man gefeuert, mit dem Wetter muss man sich abfinden.
Das Ergebnis waren ein paar sehr schöne Aufnahmen im warmen Licht der tief stehenden Herbstsonne. Und immer wenn sie Sonne weg war eben auch Fotos, die leider sehr trist, farblos und kühl wirken. Ich nehme meine Bilder immer sowohl als JPEG als auch als RAW auf. Aber selbst das Automatikprogramm der Kamera hat kein befriedigendes Material erzeugt. Das Bild oben links zeigt das von der Kamera erzeugte JPEG.
Der erste Schritt bei allen meinen Arbeiten ist Korrektur des Tonwertes. Ich überprüfe zuerst, welches Ergebnis die automatische Tonwertkorrektur bringt. Wenn mich das Ergebnis nicht überzeugt passe ich die Tonwerte manuell an.
Der Tiefen/Lichter-Dialog ist ein tolles Werkzeug um ausgefressene Bildteile zu optimieren, die zu hell oder zu dunkel belichtet wurden, mit den Gradiationskurven kann man auch einiges anstellen.
Danach erfolgt eine Standard-Retusche. In diesem Fall musste ich eigentlich nur mit dem Ausbessern-Werkzeug ein paar Grasflecken von der Hose entfernen.
Das Problem hat man oft, wenn es trüb ist: Man muss den Vordergrund durch eine kleine Blende oder hohe Belichtungszeit so "stark" belichten, dass ein Himmel im Hintergrund jede Struktur verliert. Eine bessere Lösung wäre natürlich, die Belichtung auf den Hintergrund optimal einzustellen und den Vordergrund mit künstlichen Lichtquellen. Nur hat man leider nicht immer alles nötige Equipment dabei.
Die gute Nachricht: Blasser, strukturloser Himmel lässt sich meist recht einfach freistellen und austauschen:
Ich habe dazu unterhalb der Ausgangsebene eine neue Ebene erzeugt und dort das Fotos eines wunderbaren, blauen Himmels engefügt. Auf die Ebene mit meinem Portrait habe ich eine Ebenenmaske eingefügt. mit dem Zauberstab-Werkzeug und etwas rumspielerei mit der Toleranz-Einstellung habe ich nun mit einigen Klicks den gesamten Himmel ausgewählt. Je nach Ausgangsmaterial eignen sich andere Methoden zur Freistellung besser. Nachdem ich mit der Auswahl zufrieden war, bin ich in die Ebenenmaske gewechselt und habe mit einem schwarzen Pinse die Auswahl ausgemalt...
Tadaaa! Wir haben besseres Wetter!
Möglicherweise muss an der Ebenenmaske noch ein wenig korrigiert werden. Was ich auf jeden Fall immer mache ist jedoch, die Ebene mit dem neuen Himmel über Farbton/Sättigung farblich noch an das Ausgangsbild anzupassen.

Im nächsten Schritt habe ich die Ausgangsebene mit dem Portrait dupliziert und dann die Füllmethoden Multiplizieren, Überlagern und Weiches Licht ausprobiert. Letzte ergab bei mir das ausgewogendste Ergebnis, je nach Bild kann aber auch eine andere Methode bessere Ergebnisse bringen. Es ist darauf zu achten, dass die Farben nicht zu sehr ausfressen.
Damit der Effekt nicht zu stark wird habe ich die Deckkraft der Ebene auf 25% reduziert. Auch dieser Wert kann je nach Bild und Geschmack variiert werden.
Um die Farben der Wiese und des Modells noch weiter heraus zu arbeiten, ohne aber den Himmel zu knallig werden zu lassen, habe ich die Ausgangsebene nochmals dupliziert. Diesmal mit der Füllmethode Überlagern. Auf dieser Ebene habe ich wieder eine Ebenenmaske erstellt und die Auswahl Himmels nochmal verwendet. Nachdem der Bereich des Himmels in der Ebenenmaske schwarz gepinselt wurde habe ich auch die Deckkraft dieser Ebene auf 25% reduziert.
Leider wurde durch diese Methode die Hautfarbe etwas zu kräftig. Deshalb habe ich anschließend auch die Bereiche des Gesichts und die Hände mit einem etwas weicheren, schwarzen Pinsel in der Ebenenmaske ausgeblendet.
Nun füge ich eine neue Einstellungsebene vom Typ "Farbton/Sättigung" ein. Den Regler für die Sättigung bewege ich gar nicht sondern stelle nur die Lab-Helligkeit auf einen Wert von +30 ein. Die Farben explodieren förmlich.
Um den Effekt auf die Hautfarbe abzumilden erstelle ich eine weitere Einstellungebene "Farbton / Sättigung". Bei der Einstellung achte ich nur auf die Hautfarbe und reduziere die Sättigung auf - 12 und erhöhe die Helligkeit auf +6. Anschließend klicke ich auf die Ebenenmaske und invertiere diese mit Strg + I, um danach mit einem weißen Pinsel Gesicht und Hände wieder heraus zu arbeiten.
Anschließend habe ich über eine weitere Einstellungsebene "Farbton/Sättigung" den Farbton auf +15 erhöht, um eine saftig-grüne Wiese zu bekommen, wie man sie seit der industriellen Revolutionen nur noch in Film und Fernsehen sehen kann.
Damit die Dame kein grünes Gesicht bekommt habe ich den Effekt auch hier mit Hilfe der Ebenenmaske auf Himmel und Gras beschränkt. Dazu einfach die komplette Person mit schwarzem Pinsel ausfüllen.
Das Endergebnis ist ganz oben auf dieser Seite zu sehen.